Kurz gesagt:
In einer Feuerwache im kalifornischen Livermore hängt eine Glühbirne von der Decke, die seit 1901 leuchtet. Mit kurzen Unterbrechungen, aber seit über 120 Jahren. Die klassischen Glühbirnen aus dem Supermarkt waren dagegen nach rund 1.000 Stunden durch. Und dein letztes Handy?
Da liegt der Verdacht nahe: Die bauen das absichtlich so. Manchmal stimmt das tatsächlich. Meistens ist die Wahrheit aber unspektakulärer und, ehrlich gesagt, auch ärgerlicher. Schauen wir uns an, was dran ist.
Der bekannteste belegte Fall geplanter Obsoleszenz stammt aus der Glühbirnen-Industrie: Ende 1924 einigten sich große Hersteller im sogenannten Phoebus-Kartell darauf, die Lebensdauer ihrer Lampen auf 1.000 Stunden zu begrenzen.
Am 23. Dezember 1924 trafen sich in Genf Vertreter von Osram, Philips, der französischen Compagnie des Lampes und General Electric. Sie teilten den Weltmarkt unter sich auf und legten eine gemeinsame Brenndauer fest. Das Absurde: Glühbirnen hielten damals oft schon 2.500 Stunden und mehr. Die Ingenieure mussten also aktiv daran arbeiten, ihre Produkte schlechter zu machen. Fabriken schickten regelmäßig Proben in ein zentrales Prüflabor in der Schweiz, und wer zu langlebige Lampen baute, musste Strafe zahlen.
Das Wort selbst kommt übrigens vom lateinischen „obsolescere“, also sich abnutzen oder veralten. Als Begriff für ein bewusst eingebautes Verfallsdatum machte ihn 1932 der New Yorker Immobilienmakler Bernard London bekannt. Er schlug allen Ernstes vor, Produkten per Gesetz ein Ablaufdatum zu verpassen, um die Wirtschaftskrise zu beenden.
Gezielt eingebaute Sollbruchstellen ließen sich in der bisher gründlichsten deutschen Untersuchung nicht nachweisen. Das Öko-Institut und die Universität Bonn haben im Auftrag des Umweltbundesamts untersucht, wie lange Elektrogeräte genutzt werden und warum sie ersetzt werden (UBA-Texte 11/2016).
Die wichtigsten Ergebnisse:
Die unbequeme Wahrheit: Nicht nur die Hersteller verkürzen die Lebensdauer unserer Technik. Wir selbst machen da kräftig mit.
Fachleute unterscheiden vier Arten, wie ein Gerät „veraltet“. Die UBA-Studie nennt sie werkstofflich, funktional, psychologisch und ökonomisch.
Die echte, absichtliche geplante Obsoleszenz ist also nur ein Sonderfall. Die anderen vier Arten treffen dich im Alltag viel häufiger.
Diese drei Beispiele für geplante Obsoleszenz werden am häufigsten genannt, und keines davon ist ganz so eindeutig, wie es klingt.
2017 wurde bekannt, dass Apple ältere iPhones mit gealtertem Akku per Software ausbremste, um plötzliches Abschalten zu verhindern. Technisch nachvollziehbar, nur hatte Apple das niemandem gesagt. In Frankreich zahlte Apple 2020 eine Strafe von 25 Millionen Euro wegen irreführender Geschäftspraxis durch Verschweigen. Den Vorwurf der geplanten Obsoleszenz verfolgten die Behörden dabei nicht weiter. In den USA folgten 2020 ein Vergleich von bis zu 500 Millionen Dollar mit Kunden und 113 Millionen Dollar mit mehreren Bundesstaaten.
Das Gute daran: Seitdem zeigt das iPhone den Batteriezustand offen an. Wie du ihn liest, steht in iPhone-Batteriezustand: Wie viel Prozent sind noch gut?.
2016 sorgte ein Firmware-Update bei bestimmten HP-Druckern dafür, dass Patronen mit nachgebauten Chips nicht mehr funktionierten, auch wenn sie vorher liefen. Nach heftiger Kritik bot HP ein optionales Update an. Die italienische Wettbewerbsbehörde verhängte 2020 gegen HP Strafen von insgesamt 10 Millionen Euro, unter anderem wegen solcher Einschränkungen.
Viele dünne Smartphones und Laptops haben fest verklebte Akkus. Das spart Platz und hilft bei der Abdichtung, macht den Tausch aber aufwendig und teuer. Ob Absicht oder Design: Am Ende landet manches Gerät nur wegen eines müden Akkus im Müll.
Die EU setzt inzwischen an drei Stellen an: bei der Reparatur, bei der Bauweise und beim Akku.
Das wirksamste Mittel gegen frühes Verschrotten bist du selbst: Kauf Geräte, die sich reparieren lassen, und nutz sie, solange sie ihren Job machen.
Längere Nutzung ist unser Geschäftsmodell. Wir verkaufen geprüfte gebrauchte Geräte mit Zustandsstufe, 30 Tagen Rückgaberecht und einer Gewährleistung für Mängel, die sich innerhalb eines Jahres zeigen. In unserem Flagship Store in Schwäbisch Hall reparieren wir mit Kostenvoranschlag und bieten eine Inspektion mit Innenreinigung gegen Überhitzung und BIOS-Update an. Alle Leistungen stehen auf der Seite Unser Service. Unser Umweltmanagement ist seit 2019 nach ISO 14001 zertifiziert, mehr dazu unter Über uns.
Geplante Obsoleszenz gibt es, aber seltener, als der Verdacht vermuten lässt. Das Glühbirnen-Kartell war echt, die Akku-Drosselung beim iPhone ein Fall von Verschweigen, und viele kurze Lebensläufe erklären sich durch Kostendruck, verklebte Bauteile, fehlende Updates und unsere eigene Lust auf Neues. Die EU dreht gerade an mehreren Schrauben. Bis die Regeln überall wirken, hilft am meisten: reparierbare Geräte kaufen, Akkus tauschen statt Laptops und gebraucht statt neu.
Obsoleszenz bedeutet, dass ein Produkt veraltet oder unbrauchbar wird. Das kann am Material liegen, an fehlender Software, an zu teuren Reparaturen oder einfach daran, dass es uns nicht mehr gefällt.
Geplante Obsoleszenz heißt, dass ein Hersteller die Lebensdauer seines Produkts absichtlich verkürzt, etwa durch Sollbruchstellen. Belegt ist das vor allem beim Phoebus-Kartell, das 1924 die Brenndauer von Glühbirnen auf 1.000 Stunden begrenzte.
Meist steckt Design dahinter: Verklebte Akkus sparen Platz und helfen bei der Abdichtung gegen Wasser. Der Nebeneffekt ist ein aufwendiger, teurer Tausch. Die EU-Batterieverordnung verlangt deshalb ab 2027 grundsätzlich austauschbare Gerätebatterien, mit Ausnahmen.
Reparierbare Geräte kaufen, Akkus und Teile tauschen statt das ganze Gerät, und Technik gebraucht kaufen oder weitergeben. Achte bei Smartphones und Tablets auf die Reparierbarkeitsklasse auf dem EU-Energielabel.
Erfunden hat sie niemand allein. Das Glühbirnen-Kartell von 1924 gilt als frühes Beispiel. Den Begriff „planned obsolescence“ machte 1932 der US-Makler Bernard London mit einer Schrift gegen die Wirtschaftskrise bekannt.
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